Behaims Globus: Weltkugel statt Weltkarte

  

Warum wurden ausgerechnet zum Beginn der Renaissance die ersten Globen hergestellt? Dass die Erde eine Kugel ist, war doch schon bekannt seit der griechischen Antike und seither durchgehend Lehrmeinung!

Wie haben Nürnberger Wissenschaftler auch bei solchen Themen die Weltgeschichte bedeutend vorangebracht?

          Antworten darauf machten wir 2015 in einem Wahlkurs deutlich.

          Auf dieser Seite: Martin Behaims Globus (auch zum Selberbauen).

Interkontinentale Seefahrt

An der Wende zur Neuzeit wagten Seeleute  immer weitere Entdeckungsfahrten. Spätestens seit dem Wunsch, den westlichen Seeweg nach Indien zu finden, spielte die Krümmung der Erdoberfläche hier eine entscheidende Rolle. Natürlich fuhr auch Columbus nicht auf gut Glück los. Er übernahm antike Berechnungen für die Länge des Erdumfangs. Und er schätzte die Ausdehnung Asiens ab, allerdings um einiges zu groß. Insgesamt erschien die Idee, auf diese Weise China zu erreichen, also durchaus realistisch, wie Magellan ab 1519 ja bewies. Der war, nebenbei bemerkt, in Portugal möglicherweise auch ein Schüler von Martin Behaim.

  


  
Columbus navigierte mit Tabellen aus Nürnberg (siehe unten).
  

Genügt eine gute Seekarte?

Versuchen Sie mal, eine Orangenschale auf dem Tisch plattzudrücken: Sie reißt ein. Mit einer aufgeschnittenen Luftballonhaut ginge es, sie wird dabei ungleichmäßig gedehnt. Aber das würde ein auf ihr gezeichnetes Bild verzerren. Es ist also nicht möglich, die Kugeloberfläche längentreu in die Ebene abzuwickeln.

Einen ausgezeichneten Kompromiss fand Johannes Stabius, ebenfalls ein Nürnberger. Aber wenn Sie Verzerrungen weitgehend vermeiden wollen, brauchen Sie entweder einen ganzen Atlas von Karten, um die Erdoberfläche abzudecken, oder Sie schneiden eine große Karte in lauter schmale Streifen, wie zum Beispiel Martin Waldseemüller. Übrigens die erste Karte, auf der der Kontinent Amerika verzeichnet ist:


Waldseemüllers Segmentkarte von 1507
  

Ein Globus ist die Lösung!

All diese Möglichkeiten sind nicht besonders anschaulich. Es braucht ein besseres Abbild der Erde. Deshalb stellten Martin Behaim und seine Zeitgenossen die ersten Globen her. Der älteste erhaltene steht heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

  



Der Globus von Martin Behaim, ca. 1492
  

Unser hands on-Exponat

Um genau dieses Problem anschaulich zu machen, haben wir einen aufklappbaren „Globus“ nachgebaut.

Versuchen Sie, die Teile auf verschiedene Weisen eben aneinanderzulegen: Immer werden sich störende, spitzwinklige Einschnitte ergeben. Aber wenn Sie ihn als dreidimensonalen Körper zusammenbauen, erhalten Sie ein geschlossenes Modell der Erdkugel - wie Martin Behaim.

  



Die Erde, ausgebreitet als Karte bzw. zusammengebaut als Globus

  

Damit das Exponat gut handhabbar wird, verbinden Magneten als Scharniere die Flächen unseres Dodekaeders. Ausgeschnitten haben wir die zwölf gleichartigen Fünfecke mit dem Lasercutter des FabLab NüLand.

Sobald uns die digitalisierten Daten aus dem Germanischen Nationalmuseum zur Verfügung stehen, wollen wir auf unserem Modell statt der vorläufigen, modernen Aufdrucke die historischen Graphiken verwenden.

  



Unser Anleitungstext zum Mitmachen
  

Der Behaim-Globus zum Selberbauen

Zur Zeit arbeiten wir daran, Behaims Graphiken auf das Netz eines Dodekaeders zu übertragen. Sie können es dann hier herunterladen, in Farbe auf zwei DIN A3-Blätter ausdrucken, falzen und Ihren eigenen Behaim-Globus zusammenkleben. Wenn die Wanderausstellung zur Nürnberger Wissenschaftsgeschichte entliehen wird, soll einer der parallellaufenden Workshops sein, sich diesen Globus zu basteln.



Ihren eigenen Behaim-Globus können Sie aus zwölf Fünfecken zusammenkleben.
  

Nürnberg und die großen Seefahrer

Würden Sie eine Weltumsegelung auf den oben ausgebreiten Fünfecken nachzeichnen, sie wäre nicht besonders anschaulich. Auf Behaims Globus aber wird sie es!

Und es gibt noch einen weiteren Anknüpfungspunkt zwischen den Nürnberger Wissenschaftlern und den großen Expeditionen nach Übersee: Für die Navigation war es unabdingbar, aus dem Stand der Himmelskörper die eigene nördliche Breite zu ermitteln und, so gut es damals ging, auch die geographische Länge. (Dieses fundamentale Problem der Seefahrt wurde später auch von einem Nürnberger gelöst, von Tobias Mayer.) In jedem Fall brauchten die Kapitäne damals verlässliche Planetentabellen dazu. Auf Anregung von Behaim fuhr Columbus mit den besten, die es damals gab: Mit denen des Nürnbergers Johannes Regiomontanus.

  



Regiomontanus mit Astrolabium. Abbildung aus der Schedelschen Weltchronik, 1493

 

Navigationsverfahren zu entwickeln und zu perfektionieren ist eine Aufgabe für Mathematiker. Und die gab es hier: Nürnberg bezeichnete man damals als mathematische Hauptstadt Europas.

-> Zu weiteren Exponaten der Wanderausstellung über die Nürnberger Stadtgeschichte aus unserem Wahlkurs